Vietnamesische Hochschulen können und müssen in Zukunft wesentlich selbständiger als bisher handeln. Die Autonomie der Hochschulen ist ein zentrales Thema bei der Reformierung des Hochschulsystems in Vietnam und wird auch bei dem neuen Hochschulgesetz eine bedeutende Rolle spielen.

Der Präsident der deutschen Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Horst Hippler, erläuterte bei einem vom DAAD organisierten Alumni-Talk im Goethe-Institut Hanoi am 5. März zum Thema "Was bedeutet Hochschulautonomie in Deutschland und Vietnam?", wie in Deutschland Hochschulautonomie verstanden und umgesetzt wird. Hochschulen unterliegen zwar der Aufsicht der zuständigen staatlichen Stellen (also der Bundesländer), sind aber ansonsten rechtlich, finanziell, personell und organisatorisch unabhängig. Sie verfügen über eine rechtlich selbständige Organisationsstruktur, wirtschaften mit einem zugewiesenen Globalbudget, bestimmen selbst über ihr Personal inklusive der Hochschulleitung und entscheiden selbständig über inhaltliche Fragen in Forschung und Lehre.

Die Ausstattung mit angemessenen Finanzmitteln durch den Staat ist dabei in Deutschland eine wesentliche Voraussetzung, damit die Hochschulen autonom handeln und ihre Forschungsfreiheit ausüben können.

Die Hanoi University of Science & Technologie (HUST) hat von der vietnamesischen Regierung bereits Ende 2016 die volle Autonomie erlangt. Ihr Rektor Prof. Hoang Minh Son erläuterte vor den mehr als 100 Besuchern, welche Auswirkungen das für seine Hochschule hat. So kann die HUST nun wesentlich selbständiger über die Aufnahme von Studierenden, über Studienprogramme und Curricula, internationale Kooperationen oder über Studiengebühren (in begrenztem Rahmen) entscheiden. In Personalfragen oder bei Organisationsstrukturen sind die Freiräume allerdings noch eingeschränkt.

Vor allem aber, und das ist ein erheblicher Unterschied zum deutschen Verständnis von Hochschulautonomie, müssen autonome Hochschulen in Vietnam ihre Finanzierung selbst sicherstellen, sie sind finanziell "unabhängig". Das allerdings führt zu Einschränkungen in den Entscheidungsspielräumen, wenn zumeist auch mit Blick auf die Gewinnung von Finanzmitteln entschieden werden muss. Prof. Hippler sprach daher auch eher von Autarkie als Autonomie der vietnamesischen Hochschulen.

In der sehr angeregten Diskussion war man sich trotz etlicher kontroverser Ansichten in einem Punkt einig, nämlich das Vietnam dabei sei, den Hochschulen mehr akademische Freiheiten mit weniger staatlicher Kontrolle zu gewähren. Denn nur so könnten sich Forschung und Kreativität entwickeln.