Im Zeitalter von Industrie 4.0 verändern sich weltweit die Anforderungen an die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten. Entsprechend müssen auch Bildungskonzepte verändert und an die geänderten Anforderungen der Berufswelt angepasst werden. Das gilt natürlich auch für Vietnam, wo insbesondere kompetenzorientierte Bildung und Ausbildung immer wichtiger werden. Insofern wurde auf dem vom DAAD unterstützten Alumni-Workshop "Kompetenzorientierte Bildung im Kontext von Industrie 4.0" ein hochaktuelles Thema diskutiert.

Der Alumni-Workshop wurde am 27./28. März 2018 am Vietnamesisch-Deutschen Zentrum an der Hanoi University of Science and Technology (HUST) durchgeführt. Am Workshop nahmen 45 Personen teil, darunter Herr Hase-Bergen, Leiter der DAAD-Außenstelle Hanoi, und 24 Absolventen des gemeinsamen Masterstudienganges "Berufspädagogik" der Technischen Universität Dresden und der HUST (durchgeführt von 1999 bis 2007) bzw. des Masterstudienganges "Vocational Education and Personel Capacity Building" der TU Dresden. Der Workshop richtete sich zudem an Alumni, die Produktions- bzw. Dienstleistungsabläufe, Arbeitsprozesse sowie darauf abgestimmte Konzepte betrieblicher Personalentwicklung gestalten, beschäftigungsadäquate Bildungsangebote als Dienstleistung entwickeln und realisieren oder in der Administration beruflicher Bildung makrodidaktische Entscheidungen zu treffen haben.

Der Workshop basierte auf wissenschaftlichen Grundlagen und praktischen Erfahrungen zu den Zusammenhängen von Technologie und Bildung sowie Organisationsentwicklung und Produktionsstrukturen in der Industrie 4.0. Ziel des Workshops war es, Szenarien zur Arbeitsprozessgestaltung, zu beruflichen Anforderungen und Personalentwicklungskonzepten in modernen Produktionsstrukturen und vernetzten Arbeitswelten zu erarbeiten. Moderne Produktionsstrukturen, gekennzeichnet durch Merkmale des Lean Management und durch die zunehmende Vernetzung der Arbeitswelten, führen zu einem veränderten Charakter der Arbeit und somit zu neuen Anforderungen an die Beschäftigten aller Qualifikationslevels, denen eine moderne Bildung zu entsprechen hat.

Die Spezifik der vietnamesischen Wirtschaft und die daraus resultierenden Konsequenzen für die berufliche und akademische Bildung wurde in den Beiträgen der Referenten sehr gut herausgearbeitet. Anders als in entwickelten Industrieländern existieren in Entwicklungs- und Schwellenländern aufgrund der Lohn- und Qualifikationsstrukturen tayloristische, neo-tayloristische und Lean-management-Strukturen nebeneinander, was die anforderungsorientierte Ausrichtung beruflicher und akademischer Bildung erschwert. Die verschiedenen Produktionsstrukturen wurden in einer gelungenen Balance zwischen wissenschaftlicher Fundierung und praktischer Anwendung sehr gut charakterisiert, Anforderungsprofile entwickelt und Lösungsansätze in der beruflichen und akademischen Bildung diskutiert. Die 15 ausgewählten Beiträge der Teilnehmer ( siehe Workshop Programm (pdf, 158,93 KB)) waren durch ein sehr gutes Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Fundierung und praktischer Anwendung gekennzeichnet.

Weiterhin war es ein Grundgedanke des Workshops, die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den ehemaligen Studenten deutscher Studiengänge zu festigen und auszubauen sowie die Arbeit der Alumni mit den Initiativen aus Politik, Wirtschaft und internationaler Entwicklungszusammenarbeit im Bereich von beruflicher Bildung und Technologietransfer zu vernetzen.

Mit Entscheidungsträgeren der vietnamesischen Berufsbildungspolitik (Dr. Hung und Dr.  Binh, Direktoren am Directorat of Vocational Education and Training/ Ministry of Labors, Invalids and Social Affairs), Vertretern der Wissenschaft (Prof. Khang, Vietnam Institute of Educational Sciences, Prof. Duc und Dr. Giang, HUST, MSc. Tuan, University of Technology and Education HCMC sowie Prof. Köhler und Dr. Kersten, TU Dresden, Prof. Arinafril, Sriwijaya University/ Indonesia) und Vertretern der vietnamesischen Berufsbildungspraxis (MSc. Minh, Industrial College Thai Nguyen und Dr. Phan, Nam Dinh Industrial College) ist ein sehr offener Dialog zwischen den Akteuren beruflicher und akademischer Bildung in Vietnam gelungen.

Der Alumni-Gedanke kam bei dem Workshop auch nicht zu kurz: Absolventen und Lehrende des gemeinsamen Masterstudienganges "Berufspädagogik" diskutierten mit Vertretern des Alumni-Verbandes der TU Dresden, wie man die weitere Arbeit des Alumni-Netzwerkes Vietnam in  Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten vertiefen kann.

Prof. Dr. Nguyen Khang
(Prof. Dr. Nguyen Khang ist ein ehemaliger Hochschullehrer des gemeinsamen Masterstudienganges "Berufspädagogik" der TU Dresden und der HUST)