Die internationale Integration vietnamesischer Hochschulen erfolgt zumeist durch Einzelinitiativen, es fehlt an vielen Hochschulen bisher eine strategische Herangehensweise. 60 vietnamesische Hochschulvertretungen diskutierten auf einem Workshop des DAAD in Zusammenarbeit mit dem Vietnam International Education and Cooperation Departments im Bildungsministerium in Danang mit deutschen Experten, wie man Internationalisierung strategisch ausrichten und umsetzen kann.

Vietnamesische Universitäten oder Einrichtungen höherer Bildung standen zwar über Jahrhunderte unter dem Einfluss des konfuzianischen China, der früheren Kolonialmacht Frankreich und der ehemaligen Sowjetunion, aber die Idee einer Internationalisierung gibt es erst seit knapp 15 Jahren. Die Internationale Integration der vietnamesischen Gesellschaft insgesamt gilt als wesentliche Bedingung für die weitere sozio-ökonomische Entwicklung Vietnams. Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei die vietnamesischen Hochschulen, so der Direktor des Vietnam International Education and Cooperation Departments (VIED) im Bildungsministerium, Dr. Pham Quang Hung, in seinem einleitenden Vortrag auf einem Workshop des DAAD und des VIED zur Internationalisierung.

Unter dem Titel "What has international integration to offer for universities in Vietnam" kamen am 19. und 20. April im zentralvietnamesischen Danang rund 60 Vertretungen von vietnamesischen Hochschulen zusammen, darunter 23 Hochschulleitungen und 22 Leitungen der International Cooperation Departments (ICD). Sie stützten sich in ihren Diskussionen vor allem auf zehn Dimensionen der Internationalisierung, die der stellvertretende DAAD-Generalsekretär Christian Müller vorstellte. In Vietnam versteht man unter Internationalisierung in erster Linie die Mobilität der eigenen Studierenden ins entwickelte Ausland (im letzten Jahr + 17% nach Deutschland), die Gewinnung von internationalen Gastdozenten sowie den Import von Curricula internationaler, am liebsten in Rankings gut platzierter Hochschulen. Die systematische Darstellung weiterer Internationalisierungs-Dimensionen zeigte sich daher als großer Mehrwert.

Da Internationalisierungsbestrebungen an vietnamesischen Hochschulen in der Regel auf fragmentarischen Einzelinitiativen beruhen, war es ein wichtiges Ziel des Workshops, deren strategische Bedeutung zu erarbeiten. In vier Arbeitsgruppen wurden strategische Ziele von Internationalisierung, deren wesentliche Protagonisten und die Frage der Finanzierung ebenso diskutiert wie das wichtige Verhältnis der Hochschulen und ihrer Internationalisierungsaktivitäten zum Bildungsministerium, insbesondere im Prozess der zunehmenden Autonomisierung der Hochschulen (z.B. die kritische Frage, wie lange Genehmigungsverfahren des Ministeriums für gemeinsame Studienprogramme mit internationalen Partnern dauern).

Aber auch operative Fragen wie zum Beispiel die Umsetzung von Internationalisierungsbestrebungen in einer Hochschulstruktur oder der Umgang mit Widerständen wurden in einer weiteren Arbeitsgruppe diskutiert. So seien zum Beispiel einige vietnamesische Hochschullehrer gegen englischsprachige Publikationen, da man seine Forschungsergebnisse in erster Linie für Vietnam und auf Vietnamesisch vorstellen solle.

Der Workshop bot für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine seltene, aber wichtige und hoch geschätzte Gelegenheit, sich zum Thema Internationalisierung auszutauschen. In Vietnam gibt es weder eine Rektorenkonferenz noch Foren für die Leitungen der ICD. Folgerichtig wünschten sich die Teilnehmenden einen regelmäßign Austausch bei derartigen Treffen.

Als nächster Schritt wurde gewünscht, im Rahmen eines weiteren Workshops die konkrete Entwicklung von Internationalisierungsstrategien zu besprechen und zu lernen. Denn diese gibt es bisher an vietnamesischen Hochschulen kaum.

(Stefan Hase-Bergen)