Seitdem Erasmus+ auch offen für Förderungen mit Partnerländern außerhalb Europas ist, hat Vietnam davon in besonderem Maße profitiert. Für deutsche Hochschulen bieten sich interessante Kooperations- und Fördermöglichkeiten mit Vietnam.

Seit 2015 ist das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ offen für Förderungen von Kooperationen auch außerhalb Europas mit Partnerländern weltweit. Vietnam hat davon in besonderem Maße profitiert. Das Interesse an Erasmus+ ist an vietnamesischen Hochschulen sehr hoch, denn in den verschiedenen Förderlinien können Kooperationen mit Hochschulen in den europäischen Programmländern in wertvoller Weise unterstützt oder teilweise erst ermöglicht werden.

Bei der "International Credit Mobility" (Key Action 1) kann der Austausch von Studierenden zu Studien- und Praktikumszwecken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie auch von Verwaltungspersonal im Hochschulbereich gefördert werden. Vietnam hat seit 2015 in Asien nach China (28 Prozent) den zweithöchsten Förderanteil mit 17 Prozent, deutlich vor Indien mit elf Prozent. So konnten in der Zeit über 1.800 Personen mit einer Förderung an eine europäische Hochschule gehen. In der Zusammenarbeit mit deutschen Hochschulen ist dieses Förderangebot besonders wichtig, da es außerhalb von Forschungsstipendien für eine Promotion kaum Stipendien für vietnamesische Studierende nach Deutschland gibt. In vielen auch vom DAAD geförderten Projekten ist eine Förderung durch die "International Credit Mobility" eine sinnvolle und notwendige Ergänzung, um die Mobilität von vietnamesischen Studierenden an die deutsche Partnerhochschule zu ermöglichen.

Beim "Capacity building in the field of higher education" (Key Action 2) können Kooperationsprojekte zwischen europäischen Hochschulen und ihren Partnern in Entwicklungsländern für zwei oder drei Jahre gefördert werden, die sich zum Beispiel mit Modernisierungen und Reformen an Hochschulen, mit der Entwicklung neuer Curricula, mit der Verbesserung von Verwaltungsstrukturen oder dem Aufbau von Beziehungen zwischen Hochschulen und Unternehmen befassen. In Asien sind vietnamesische Hochschulen deutlich am erfolgreichsten mit 167 Beteiligung an 51 geförderten Projekten seit 2015, gefolgt von Indien (118 Beteiligungen in 27 Projekten) und China (114 Beteiligungen in 37 Projekten).

Die Zahlen belegen nicht nur das große und erfolgreiche Interesse in Vietnam an Erasmus+, sondern auch das starke Interesse von den europäischen Programmländern an dem Partnerland Vietnam. Deutsche Hochschulen sind dabei für vietnamesische Hochschulen in besonderem Maße attraktiv wegen ihrer hohen Reputation in (praxisbezogener) Lehre wie auch wegen der hohen Qualität der Forschung. Aber ebenso Frankreich, das nach seiner kolonialen Vergangenheit weiterhin sehr enge Kontakte zu Vietnam unterhält, oder natürlich auch das Vereinigte Königreich sind bedeutende europäische Wettbewerber auf dem vietnamesischen Bildungsmarkt.

Um deutsche Hochschulen mit möglichen Partnern in Vietnam, aber auch in den südostasiatischen Nachbarländern Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar und Thailand weiter zu vernetzen, hatte der DAAD am 16./17. Mai 2019 ein Erasmus+ Netzwerkforum mit dem Schwerpunkt auf Capacity Building an der DAAD-Außenstelle in Hanoi mit über 100 teilnehmenden Hochschulen veranstaltet. Erfreulich war, dass aus Vietnam nicht nur Hochschulen aus den beiden Zentren Hanoi und Ho Chi Minh-Stadt teilnahmen, sondern auch aus den Provinzen, wo es zum Teil für Kooperationen sehr gut geeignete Hochschulen gibt.

Als ein Best Practice wurde die nordvietnamesische Thai Nguyen University of Agriculture & Forestry (TUAF) vorgestellt, die mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde sowie mit Hochschulen aus Finnland und Spanien in einem Capacity Building-Projekt zusammenarbeitet. Bei dem von Erasmus+ geförderten Vorhaben "European-Vietnamese Higher Education Network for Sustainable Forest- and Bio-Economy" wird ein neues Masterprogramm zur nachhaltigen Bio-Ökonomie mit innovativen Lernmaterialien entwickelt. Alle sechs beteiligten Partnerhochschulen profitieren von diesem Projekt. Die TUAF wie auch die ebenfalls beteiligte Vietnam National University of Forestry zeigen sich dabei als engagierte und kompetente vietnamesische Partnerhochschulen.

Gerade für solche Kapazitätsaufbau-Projekte kann man in Vietnam hervorragende Partner finden. Erasmus+, aber auch verschiedene DAAD-Programme bieten dafür sehr gute Fördermöglichkeiten.

(Stefan Hase-Bergen, 29. Mai 2019)

Stefan Hase-Bergen
Leiter der DAAD-Außenstelle Hanoi

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