Zurzeit lebe ich in Deutschland, wo ich in Heidelberg "Computer Science" studiere. Aufgrund der COVID-19-Pandemie hätte ich zu meiner Familie nach Hause in Vietnam fliegen können. Der DAAD hatte seinen Stipendiatinnen und Stipendiaten angeboten, sie durch die Übernahme der Flugkosten zu unterstützen. Ich war tief berührt und dankbar, als ich die Mitteilung vom DAAD hierzu gelesen hatte. Ich habe mich jedoch entschieden, in Deutschland zu bleiben und habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Neben dem Slogan der vietnamesischen Regierung "Liebe das Vaterland, liebe deine Landsleute, bleibe dort, wo Du bist" gibt es noch einen anderen wichtigen Grund, warum ich mich hier in Deutschland sicher fühle: Deutschland hat ein sehr gutes Gesundheitssystem. Außerdem brauche ich mir als DAAD-Stipendiatin im Krankheitsfall keine Sorgen in Bezug auf die Krankenversicherung zu machen, denn die Versicherung deckt auch die Behandlungskosten bei einer Pandemie ab. Zusätzlich bietet der DAAD noch eine Telefonhotline für Notfälle an. Durch diese Angebote fühle ich mich wirklich gut versorgt und nicht einsam, auch wenn ich hier ohne Familie lebe.

Ich habe über einen Monat von zu Hause aus gearbeitet. Am Anfang war das nicht einfach, weil sich mein Lebensrhythmus verändert hat, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Für meine Forschung brauche ich hauptsächlich einen Computer mit Internetzugang, deshalb habe ich kaum Schwierigkeiten in dieser Zeit gehabt. Wenn ich mich gestresst gefühlt habe, weil ich zu lange alleine im Haus geblieben bin, habe ich einen Spaziergang gemacht. Das Spazierengehen ist hier nicht verboten, verboten ist nur die Versammlung von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit. Natürlich muss man auch Abstand halten. In einer Gegend, wo sich wenige Leute versammeln, kann man gut einen Spaziergang machen. Seit einer Woche kann ich wieder zur Arbeit gehen, da ich in einem Einzelbüro arbeite.

Die Maßnahmen, die in Heidelberg durchgeführt werden, sind:
- Abstand von 2 Metern in der Öffentlichkeit oder im Supermarkt halten
- Begrenzung der Kundenzahl im Supermarkt
- Aufbau von Schutzfolien an der Kasse, um sowohl die Kassierer und Kassiererinnen als auch die Kunden vor dem Virus zu schützen.
Was ich allerdings am beeindrucktesten finde, ist, dass die Anzahl der Kassen im Supermarkt erhöht worden ist, damit man nicht zu lange vor der Kasse warten muss und auch damit der Kontakt zu anderen Personen reduziert wird. Ich finde es auch besonders gut, dass der Lieferservice in dieser Zeit sehr gut funktioniert. DHL oder Hermes bieten den "kontaktlosen Empfang" an. Das heißt: Es wird zu einem kontaktlosen Lieferort wie vor die Haustür, in den Garten oder an eine Packstation geliefert. Jetzt müssen die Heidelberger eine Maske tragen, die Nase und Mund bedeckt, wenn sie im Supermarkt oder in öffentlichen Verkehrsmitteln sind. Die Universität ist begrenzt geöffnet (zum Beispiel: nur für die Studierenden, die einen Schlüssel für ihren Seminarraum haben) und die Kurse werden online gemacht.

Der DAAD betreut mich nicht nur jetzt in dieser Pandemiezeit, sondern hat sich gleich von Anfang an nach meiner Ankunft in Deutschland um mich gekümmert. Ich habe viel Unterstützung und Hilfen vom DAAD erhalten, als ich Schwierigkeiten bei der Einschreibung an der Uni, bei der Verlängerung des Visums oder beim finanziellen Nachweis für meinen Mietvertrag hatte. Meine Fragen wurden vom DAAD immer sehr schnell und gründlich beantwortet. Deshalb bin ich wirklich glücklich, eine DAAD-Stipendiatin zu sein.

Eine besonders gute Erfahrung, die ich in dieser Zeit gemacht habe, ist, dass alle sich Sorgen um mich gemacht haben und nach meiner aktuellen Situation gefragt haben. Nicht nur meine Familie und Freunde in Vietnam, sondern auch der DAAD, mein Betreuer, die anderen Stipendiaten, die zusammen mit mir den Deutschkurs gemacht haben und meine Gastgeberin in Köln, bei der ich während des Sprachkurses gewohnt habe – alle haben sich bei mir erkundigt, wie es mir geht. Ich möchte mich daher nun umso mehr anstrengen, damit meine Leistungen am Ende den Erwartungen entsprechen werden.

Heidelberg, den 01. Mai 2020

Le Thi Kim Tuyen

Doktorandin
Universität Heidelberg
DAAD-Research Grants – Doctoral Programmes in Germany 19/20