In Myanmar hat sich nach dem Militärputsch ein landesweiter Widerstand formiert, der das öffentliche Leben weitgehend lahmlegt. Auch die Studierenden, das wissenschaftliche Personal und die Hochschulleitungen an den meisten Hochschulen wehren sich gegen die Militärjunta. Die Fronten verhärten sich.

Nach dem ersten Schock über die gewaltsame Machtübernahme durch das Militär in Myanmar hat sich in der Bevölkerung eine Widerstandsbewegung gebildet, die weite Teile des Landes umfasst. Neben Massendemonstrationen wehren sich die Menschen vor allem mit einer weitreichenden Bewegung des zivilen Ungehorsams (Civil Disobedience Movement, CDM) und mit Massenstreiks gegen die Militärjunta. Das öffentliche Leben in Myanmar ist dadurch weitgehend lahmgelegt. Banken sind geschlossen, an den Flughäfen fehlt das Personal, die meisten Ärzte verweigern ihren Dienst in den Krankenhäusern, und auch die staatlichen Behörden sind kaum arbeitsfähig. Die Menschen fordern eine Rückkehr zur Demokratie und eine Freilassung der Inhaftierten, insbesondere aber von ihrer “Führerin” Aung San Suu Kyi, die in der Bevölkerung enorm populär ist.

Die Fronten verhärten sich angesichts dieses massiven und weitreichenden Widerstands zunehmend, und es hat inzwischen die ersten Toten bei Demonstrationen gegeben. Das Militär hat angekündigt, notfalls auch mit Gewalt gegen die Demonstranten vorgehen zu wollen und warnt vor weiteren Toten. Es ist nicht davon auszugehen, dass das Militär irgendwelche Zugeständnisse machen wird, es gibt kaum Verhandlungsoptionen, so dass eine weitere Eskalation zu befürchten ist.

Auch an den Hochschulen wächst der Widerstand gegen das Militärregime, viele Studierende und das wissenschaftliche Personal folgen den Streikaufrufen und beteiligen sich an der CDM. Die Rektorinnen und Rektoren verweigern dem Militär in großer Zahl ihre Gefolgschaft, wie auch das Beispiel der Nachbesetzung des Postens des Bildungsministers zeigte: Das Militär bot den Posten des abgesetzten und unter Hausarrest stehenden Amtsinhaber (und DAAD-Alumnus) Dr. Myo Thein Gyi verschiedenen amtierenden Rektoren an, die aber alle ablehnten. Erst mit Dr. Nyunt Pe, dem ehemaligen Rektor der Pathein University, fand das Militär schließlich nach längerem Suchen einen Kandidaten, der der Amtsübernahme zustimmte. Er ist allerdings sehr umstritten und wurde 2017 nach Vorwürfen, Mittel seiner Universität missbraucht zu haben, in das Bildungsministerium als Leiter des Department of Monitoring and Evaluation versetzt. Ob er bereit und in der Lage sein wird, den Reformkurs seines Vorgängers fortzusetzen und die Rolle der Hochschulen sowie deren Gestaltungsmöglichkeiten zu stärken, bleibt fraglich.

Einige Rektorinnen und Rektoren haben sich besonders deutlich gegen die neuen Militärmachthaber gestellt, darunter auch der Vorsitzende der Rektorenkonferenz in Myanmar und Rektor der University of Medicine 1 in Yangon, Dr. Zaw Wai Soe. Nach einem stundenlangen Verhör wieder freigelassen, hält er sich nun ebenso versteckt wie der Rektor der University of Medicine in Mandalay, Dr. Khin Maung Lwin. Nach unseren Informationen sind aber die meisten Hochschulangehörigen von Verhören und Verhaftungen nicht betroffen, was auch daran liegen mag, dass die Hochschulen wegen der Corona-Pandemie seit langem geschlossen sind.

Anders als in Vietnam, wo es nur vergleichsweise wenige Corona-Fälle gibt und das Leben überwiegend normal verläuft, hat sich das Virus in Myanmar mit vielen Erkrankten und auch Toten weit verbreiten können. Die Hochschulen können daher seit Monaten nicht im Präsenzmodus arbeiten, der Unterricht findet, wenn überhaupt, weitgehend online statt. Dennoch haben sich insbesondere die Studierenden aus der Entfernung sehr schnell organisieren können und unterstützen die Widerstandsbewegung nach Kräften. Studierende der beiden Deutschabteilungen an den Fremdsprachenuniversitäten in Yangon und Mandalay demonstrierten unter anderem auch an der Deutschen Botschaft und sprachen mit Botschafter Thomas Neisinger sowie Kulturreferent Frank Thierfelder.

Allerdings gibt es an vielen Hochschulen auch Angehörige des Militärs, die den Putsch unterstützen. Das wird eine Zusammenarbeit in Zukunft deutlich schwerer machen, da die Fronten inzwischen sehr verhärtet sind. Es gibt daher auch viele Hochschulangehörige, die sich angesichts der zu erwartenden Bespitzelungen sehr vorsichtig verhalten.

Die Aussichten für Myanmar sind nicht gut, und viele Menschen, die noch das frühere Militärregime erlebt und erlitten haben, sind verzweifelt über die Ereignisse seit Anfang Februar. Umso wichtiger ist es, und damit wiederhole ich mich, dass wir den Kontakt aufrechterhalten, wo es geht unsere Solidarität bekunden und auch im Hinblick auf eine zukünftige Zusammenarbeit die Hochschulen in Myanmar weiter unterstützen.

(Stefan Hase-Bergen, 26. Februar 2021)

Stefan Hase-Bergen
Leiter der DAAD-Außenstelle Hanoi

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