Mit dem neuen Regierungsstipendienprogramm “Projekt 89” sollen in den kommenden zehn Jahren 7.600 Lehrende an vietnamesischen Hochschulen qualifiziert werden. Für deutsche Hochschulen bieten sich gute Kooperationschancen vor allem für die Gewinnung von Promovendinnen und Promovenden.

Um die Lehrqualität an den vietnamesischen Hochschulen zu verbessern, sollen sich nach den Plänen des Ministry of Education & Training (MoET) in den kommenden zehn Jahren 7.300 Dozentinnen und Dozenten wissenschaftlich qualifizieren und promovieren. Weitere 300 sollen in den Fachgebieten Kulturwissenschaften, Kunst und Sport auf Masterniveau ausgebildet werden.

Bisher haben von den rund 73.000 Hochschullehrenden an den 172 öffentlichen und 65 nicht-öffentlichen Hochschulen in Vietnam nur knapp 29 Prozent einen Doktortitel, was auf ein noch recht niedriges wissenschaftliches Niveau nicht nur in der Lehre, sondern vor allem auch in der Forschung hinweist. Das gilt weniger für die Spitzenhochschulen wie beispielsweise die beiden Nationaluniversitäten in Hanoi und Saigon, die Hanoi University of Science & Technology (HUST), die Ton Duc Thang University oder natürlich auch die Vietnamesisch-Deutsche Universität, beide in Saigon, die sich in Lehre und Forschung sehr gut entwickelt haben, und deren Anteil an promovierten Hochschullehrenden sehr viel höher ist (bei der HUST zum Beispiel knapp 70 Prozent).

Mit dem “Projekt 89” hat das MoET ein Stipendienprogramm entwickelt, das helfen soll, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Es richtet sich an vietnamesische Hochschuldozentinnen und -dozenten sowie solche, die es werden wollen. Angeboten werden Förderungen auf drei Wegen:

  • ein Promotions- oder Masterstudium ausschließlich in Vietnam,
  • ein Promotions- oder Masterstudium vollständig im Ausland,
  • ein Promotions- oder Masterstudium im Rahmen eines Kooperationsprogramms an einer vietnamesischen sowie einer ausländischen Partnerhochschule, eine Art Sandwich-Modell.

Anders als bei den beiden recht erfolglosen Vorgängerprogrammen, dem “Projekt 322” (2000 – 2010) und dem “Projekt 911” (2010 – 2020, 2017 vorzeitig abgebrochen) sollen dieses Mal die vietnamesischen Hochschulen wesentlich über die Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber entscheiden. Zugleich aber tragen sie auch die volle Verantwortung, denn im “Projekt 89” gehen Stipendiatinnen und Stipendiaten die Verpflichtung ein, ihr Studium erfolgreich zu beenden und dann nach ihrem Abschluss an ihrer jeweiligen Hochschule als Dozentin oder Dozent zu arbeiten. Im Misserfolgsfall müssen die Kosten des Stipendiums zurückgezahlt werden, wofür die Hochschulen Sorge tragen und notfalls selbst die Kosten für die Rückzahlung aufbringen müssen, sollten sie diese bei den Stipendiatinnen und Stipendiaten nicht einfordern können. So besteht ein großes finanzielles Risiko für die vietnamesischen Hochschulen, aber natürlich auch für die jungen Stipendiatinnen und Stipendiaten.

Auf vietnamesischer Seite können nur solche Hochschulen am “Projekt 89” teilnehmen, die ein gewisses wissenschaftliches Niveau haben und zum Beispiel mindestens schon fünf Doktortitel vergeben haben. Auf einer am 1. Juni 2021 vom MoET veröffentlichten Liste finden sich 74 Hochschulen mit 280 Fachgebieten für Promotion und drei Hochschulen für Master, die sich an dem Programm beteiligen können (https://moet.gov.vn/giaoducquocdan/giao-duc-dai-hoc/Pages/chi-tiet-van-ban-chi-dao-dieu-hanh.aspx?ItemID=2950, leider nur auf Vietnamesisch).

Als internationale Partner wiederum kommen nur Hochschulen in Frage, die in drei fachbezogenen Rankings von THE, QS und US News unter den besten 500 Hochschulen weltweit zu finden sind. Es handelt sich um folgende Rankings:

Für deutsche Hochschulen und insbesondere für diejenigen mit aktiven Partnerschaften in Vietnam eröffnen sich damit sehr gute Möglichkeiten, in den kommenden Jahren gute und motivierte Promovendinnen und Promovenden aus Vietnam zu gewinnen. Das gilt umso mehr, als vietnamesische Hochschulen bei einer Promotion im Ausland zunächst an ihre internationalen vertrauten Partner denken werden, wenn sie junge Vietnamesinnen und Vietnamesen für eine Promotion im Ausland nominieren werden. Es lohnt sich also, mit den Partnern in Vietnam über das “Projekt 89” zu sprechen, sollten Sie Interesse an vietnamesischen Promovendinnen und Promovenden haben.

Selbstverständlich wird auch der DAAD weiterhin seine Forschungsstipendien in Vietnam anbieten, natürlich ohne Rückkehr- oder Arbeitsverpflichtungen. Sie ermöglichen eine Vollpromotion oder einen bis zu einjährigen Forschungsaufenthalt in Deutschland sowie eine gemeinsam betreute “Sandwich-Promotion” in beiden Ländern.

(Stefan Hase-Bergen, 28. Juni 2021)

Stefan Hase-Bergen
Leiter der DAAD-Außenstelle Hanoi

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