Ein virtueller DIES-Workshop der DAAD-Außenstelle setzte sich mit der Qualitätssicherung und Akkreditierung an vietnamesischen Hochschulen auseinander und bot neben grundsätzlichen Informationen auch Beispiele guter Praxis aus Deutschland und Vietnam.

Das vietnamesische Hochschulsystem hat sich in den letzten 15 Jahren im Zuge verschiedener Reformansätze positiv entwickelt, weg vom früheren sowjetischen Bildungsmodell hin zu einer modernen, international ausgerichteten Hochschullandschaft. Die Ministerien entlassen die Universitäten zunehmend aus ihrer Steuerung und Kontrolle und fordern sie auf, autonomer zu handeln. Damit geht aber auch einher, dass die Universitäten für die Qualität vor allem ihrer Lehrangebote selbst verantwortlich sind. Denn das Ziel aller Reformbemühungen ist es, die Qualität der Hochschulen deutlich zu verbessern.

Qualitätssicherung und Akkreditierung spielen daher bei den vietnamesischen Hochschulen eine immer wichtigere Rolle. Um in diesem Prozess weitere Impulse und auch die Perspektive deutscher Partner anbieten zu können, hat die DAAD-Außenstelle Hanoi zusammen mit der Hanoi University of Science and Technology (HUST) am 17./18. November jeweils nachmittags einen DIES-Workshop zum Thema „Quality Assurance and Accreditation in Higher Education: Advanced Practices from Germany and Vietnam” durchgeführt. Rund 220 Vertreterinnen und Vertreter vietnamesischer Hochschulen nahmen an dieser überwiegend virtuell durchgeführten Veranstaltung teil, davon 20 in Präsenz.

Vize-Bildungsminister (und DAAD-Alumnus) Assoc. Prof. Hoang Minh Son betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung von hoher Qualität in der Lehre für die weitere Entwicklung der vietnamesischen Gesellschaft. Nachdem der Kulturreferent der deutschen Botschaft, Jörg Kinnen, den Workshop und die akademische Zusammenarbeit in die strategische Partnerschaft zwischen Vietnam und Deutschland eingeordnet hatte, wies HUST-Präsident Assoc Prof. Huynh Quyet Thang auf die zukünftigen Entwicklungsschritte seiner 65 Jahre alten Universität hin, bei denen Qualitätssicherung eine zentrale Rolle spiele. Herr Do-Minh Viet (in Vertretung des erkrankten AS-Leiters Stefan Hase-Bergen) nutzte die Gelegenheit, um den zahlreichen Teilnehmenden den DAAD und dessen Fördermöglichkeiten vorzustellen.

In die eigentliche Thematik führte dann Assoc. Prof. Pham Quoc Khanh (stellvertretender Direktor der Vietnam Education Quality Management Agency im Ministry of Education and Training) ein und erläuterte die Politik und die Initiativen des Ministeriums. Es folgten am ersten Tag Vorträge zu den European Standards and Guidelines von Fiona Crozier (ehemalige Vize-Präsidentin von ENQA), zum internen System der Qualitätssicherung an der HUST vom Leiter des Quality Management Office, Assoc. Prof. Truong Viet Anh sowie von Petra Pistor von der FH Münster, die das vielbeachtete Qualitätssicherungskonzept ihrer Hochschule vorstellte.

Am zweiten Nachmittag stellten Ronny Heintze (Senior Consultant bei AQAS) und Dr. Iring Wasser (Direktor von ASIIN) jeweils die Kriterien und Verfahrensabläufe von Programm- und Systemakkreditierungen ihrer Agenturen vor. Prof. Tomas Benz, Präsident der Vietnamesisch-Deutschen Universität, vertiefte das am Beispiel von drei Programmakkreditierungen an seiner Universität. Dr. Vo Dai Nhat von der Ho Chi Minh University of Technology beschrieb die Akkreditierungen durch die drei deutschen Agenturen AQAS, ASIIN und FIBAA, die neben der französischen Agentur HCERES alle in Vietnam offiziell registriert und anerkannt sind. Zum Schluss betonte Assoc. Prof. Pham Van Tuan von der Danang University of Science and Technology am Beispiel seiner Universität die Bedeutung von Qualitätssicherung und Akkreditierung für die stetige Verbesserung von Lehrangeboten, die sich vor allem in Richtung einer „Outcome Based Education“ bewegen müssten. Er schloss vielsagend mit den Worten, dass Qualität nicht an einem Akkreditierungszertfikat, sondern an den Handlungen und an der Verantwortung für gute Lehre gemessen werden müsse.

(Stefan Hase-Bergen)