Hochschulkooperationen mit Vietnam werden für viele deutsche Hochschulen immer wichtiger. In einem Leitfaden erläutert der DAAD, wie Kooperationen mit vietnamesischen Hochschulen gut angebahnt und umgesetzt werden können.

Dr. Nguyen Thanh Hao promovierte von 2015 – 2019 (mit einem DAAD-Stipendium) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Fach Biologie. Heute lehrt und forscht er erfolgreich an der Vietnam National University of Agriculture (VNUA) in Hanoi. Mit seinem Betreuer in Münster, Prof. Dr. Andreas Hensel, ist er seit seiner Rückkehr nach Vietnam weiterhin in enger Verbindung geblieben, beide haben an gemeinsamen Projekten gearbeitet. Diese Zusammenarbeit wurde schließlich im März 2022 in einem Memorandum of Understanding zwischen der Fakultät für Biotechnologie der VNUA und der Fakultät für Chemie und Pharmazie der WWU Münster auch formal beschlossen und soll weiter ausgebaut werden. Trotz aller Widrigkeiten durch die COVID-19-Pandemie, die vor allem gegenseitige Besuche und persönliche Kontakte verhinderte, war und ist die Vertrauensbasis zwischen den Partnern so groß, dass die Rahmenbedingungen der weiteren Zusammenarbeit auch online abgesprochen werden konnten. Beide Hochschulen haben Interesse, diese Kooperation über die beiden Fakultäten hinaus auch hochschulübergreifend auszubauen.

Dieses Beispiel zeigt, wie idealerweise eine Hochschulpartnerschaft zwischen Deutschland und Vietnam, aber auch mit vielen anderen Ländern, entstehen und umgesetzt werden kann. Die Grundlage ist das durch die Zusammenarbeit im Promotionsverfahren von Dr. Hao entstandene langjährige Vertrauen in den jeweiligen Partner sowie auch das gegenseitige Wissen um wissenschaftliche Ziele, Wünsche, Stärken und auch Schwächen. Insbesondere Promotionen vietnamesischer (und anderer internationaler) Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit langjährigen Aufenthalten an einer deutschen Gasthochschule sind ideal als Ausgangspunkt für eine spätere Zusammenarbeit der Fakultäten oder sogar der Hochschulen.

Die Anbahnung einer Kooperation über Gastaufenthalte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist aber nicht immer wie im Beispiel möglich, und der DAAD erhielt und erhält viele Anfragen deutscher Hochschulen, welche Hochschulen nun geeignet für Partnerschaften im sich rasch entwickelnden Hochschulmarkt Vietnam sind und wie sie dabei am besten vorgehen sollen. Um die deutschen Hochschulen über die vietnamesische Hochschullandschaft zu informieren und bei der Anbahnung und Umsetzung von Hochschulpartnerschaften mit Vietnam zu unterstützen, hat der DAAD einen „Leitfaden zur Hochschulkooperation zwischen Vietnam und Deutschland“ veröffentlicht (www.daad.de/de/laenderinformationen/asien/vietnam/wissenschaftskooperationen/).

Die dort angebotenen allgemeineren Informationen gelten für Partnerschaften mit vielen Ländern. Aber es gibt auch eine Vielzahl von Informationen, die speziell für Vietnam wesentlich sind. Dazu gehört zum Beispiel das Wissen über die Zielsetzungen der vietnamesischen Seite bei Partnerschaften mit Deutschland: Vietnamesische Hochschulen wünschen sich oft eine finanzierte credit mobility nach Deutschland sowie deutsche Gastdozenturen in Vietnam. Auch die Unterstützung beim Aufbau von Hochschulstrukturen und praxisorientierten Studiengängen sowie natürlich auch gemeinsame Projekte in der sich entwickelnden vietnamesischen Forschung sind Ziele vietnamesischer Hochschulen einer Zusammenarbeit.

Ein gutes gegenseitiges interkulturelles Verständnis sowie das Wissen um Arbeitsabläufe und Strukturen hilft grundsätzlich bei Anbahnung und Durchführung internationaler Zusammenarbeit. Aber was das genau für Vietnam bedeutet, darauf gibt der Leitfaden einige Antworten bzw. bietet Informationen. Einige Beispiele dafür sind:

  • Finanzierungsmechanismen an vietnamesischen Hochschulen weichen stark von deutschen ab.
  • Entscheidungsfindungsprozesse funktionieren in den sehr hierarchisch organisierten vietnamesischen Hochschulen anders als an deutschen Hochschulen.
  • Vietnamesische Partner lehnen ungern Vorschläge der deutschen Seite mit einem direkten „Nein“ ab, vor allem, wenn es noch keine längere Vertrauensbasis zwischen beiden Seiten gibt.
  • Der Stellenwert von Kooperationsvereinbarungen ist in Vietnam deutlich geringer als in Deutschland und wird gerne durch gut funktionierende persönliche Beziehungen ersetzt.
  • Qualitätssicherungsmaßnahmen und Akkreditierungen gewinnen an vietnamesischen Hochschulen zunehmend an Bedeutung.
  • Im Fall von Differenzen und Konflikten sollten diese auf gleicher Hierarchieebene angesprochen werden. Auch informelle Treffen helfen Konflikte zu bewältigen.

Der Leitfaden erläutert exemplarisch ferner einige Ausweichstrategien in der vietnamesischen Kommunikation mit internationalen Partnern.

Im Hochschulkompass der HRK sind mittlerweile 174 Kooperationen zwischen deutschen und vietnamesischen Hochschulen registriert. Die Zahl hat sich, auch in der Pandemie, kontinuierlich erhöht. Vietnamesische Hochschulen werden attraktiver für deutsche Hochschulen, die nicht nur gute Studierende gewinnen, sondern auch in anderen Bereichen wie der Forschung oder bei der Entsendung eigener Studierenden von Kooperationen mit Partnern in Vietnam zunehmend profitieren können. Der Leitfaden des Kompetenzzentrums Internationale Wissenschaftskooperationen im DAAD (https://www.daad.de/de/infos-services-fuer-hochschulen/kompetenzzentrum/) eröffnet für interessierte deutsche Hochschulen Wege zu einer Zusammenarbeit mit Partnern in Vietnam.

(Stefan Hase-Bergen, 29. März 2022)

Stefan Hase-Bergen
Leiter der DAAD-Außenstelle Hanoi

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