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Corona in Vietnam - Von der Pandemie zur Endemie

Voller Moped-Parkplatz an der Hanoi University of Science & Technology. © DAAD Vietnam

Trotz hoher, allerdings nun sinkender Corona-Fallzahlen hat sich das Leben in Vietnam wieder weitgehend normalisiert. Die Hochschulen sind nach knapp einem Jahr in den Präsenzunterricht zurückgekehrt. Die strikten Einreisebeschränkungen wurden aufgehoben, deutsche Hochschulen können wieder wie vor der Pandemie Vietnam besuchen.

Im Dezember letzten Jahres hatte ich zuletzt über die Corona-Lage in Vietnam und ihre Auswirkungen auf die hiesigen Hochschulen berichtet. Wie in so vielen Ländern hat sich auch in Vietnam seitdem vieles getan und sich die Situation grundlegend verändert.

Zunächst einmal hatte in der zweiten Jahreshälfte 2021 die Delta-Variante für eine für vietnamesische Verhältnisse bis dahin außergewöhnlich starke Corona-Welle mit sehr hohen Fallzahlen (bis zu 15.000 pro Tag) gesorgt. Ein strikter Lockdown im Herbst v.a. in Ho Chi Minh City (HCMC), in Hanoi und vielen anderen Städten und Regionen war die Folge. Das Land isolierte sich weiterhin strikt nach außen, Einreisen waren nur in Ausnahmefällen und unter strengen Bedingungen mit langen Quarantänezeiten möglich.

Parallel dazu wurde die große Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung vollständig geimpft, eine Voraussetzung für die Abkehr von der bis dahin herrschenden Null-Infektionen-Politik.

Anfang des Jahres 2022 und vor allem nach den landesweiten Feiern zum vietnamesischen Neujahrsfest Tet im Februar explodierten die Fallzahlen noch einmal um ein Vielfaches, die Omikron-Variante hatte sich durchgesetzt. Teilweise über 270.000 Fälle pro Tag ließen die Gesamtzahl von Erkrankten auf aktuell über 10 Millionen Menschen in Vietnam steigen. Das sind allerdings nur die offiziell registrierten Zahlen, die Dunkelziffer dürfte erheblich darüber liegen, auch deshalb, weil die Gesundheitsbehörden die vielen Fälle nicht mehr erfassen können. Angesichts einer Impfquote unter Erwachsenen von rund 98 Prozent verliefen die allermeisten Fälle aber sehr milde. Lästig waren für die Menschen nur die weiterhin strengen Quarantäneregeln sowohl für Erkrankte als auch mit Erkrankten in Kontakt Stehenden (“F1-Fälle”).

Mitte März war der Höhepunkt der Omikronwelle überschritten, inzwischen werden nur noch täglich etwa 10.000 Fälle gezählt. Mit den überwiegend harmlosen Verläufen und der zugleich sinkenden Zahl von Todesfällen schwand in der Bevölkerung die Angst vor Corona, und auch in der Regierung machte sich die Erkenntnis breit, dass vor allem angesichts der hohen Impfquote – auch Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren wurden in der Zwischenzeit in großer Zahl geimpft – Lockerungen das Gebot der Stunde seien. Premierminister Chinh spricht ganz offen davon, dass Vietnam sich nun im Übergang von der Pandemie zur Endemie befände.

Als Konsequenz daraus wurden die Quarantäneregeln stark reduziert: Erkrankte müssen sich bis zur Gesundung isolieren und zu Hause bleiben, F1-Fälle unterliegen keiner Quarantäne-Vorschrift mehr. Das Leben in Hanoi hat sich wie in HCMC und in den Provinzen weitgehend normalisiert, die Straßen sind wieder so voll wie vor der Pandemie, es gibt kaum noch Einschränkungen.

Auch an Schulen und Hochschulen ist das Leben zurückgekehrt: Anfang April wurden sie in Hanoi nach knapp einem Jahr wieder für den Präsenzunterricht geöffnet und sind in den Normalbetrieb zurückgekehrt, mit der kleinen Ausnahme der Maskenpflicht, die übrigens auch grundsätzlich in der Öffentlichkeit herrscht und bei Zuwiderhandlung mit Bußgeld belegt werden kann.

Für deutsche Hochschulen wichtig zu wissen: Auch die strikten Einreisebeschränkungen sind seit Mitte März aufgehoben, es gelten wieder die gleichen Einreisebedingungen wie vor der Pandemie. Das heißt unter anderem, dass Deutschen für Aufenthalte bis zu 15 Tagen in Vietnam ein Visum direkt bei der Einreise erteilt werden kann. Zugleich hat auch der kommerzielle Flugverkehr mit vielen Flugverbindungen wieder begonnen. Bei aller Freizügigkeit und Niederschwelligkeit sollte man allerdings nicht vergessen, dass man sich im Falle einer Infektion isolieren muss bzw. isoliert wird.

So können also wieder problemlos Vietnam und seine Hochschulen besucht oder neue Partnerschaften im aufstrebenden vietnamesischen Hochschulmarkt aufgebaut werden, wofür persönliche Kontakte sehr wichtig sind. Wir freuen uns, dass die Hochschulzusammenarbeit mit Vietnam wieder weitestgehend friktionsfrei durchgeführt werden kann.

Die ersten deutschen Hochschulen planen bereits ihre Reisen nach Vietnam und haben sich dafür an den DAAD Vietnam gewandt. Wir bieten allen deutschen Hochschulen an, sie bei ihren geplanten Reisen nach und Besuchen in Vietnam zu beraten und zu unterstützen. Schreiben Sie uns gerne!

(Stefan Hase-Bergen, 25. April 2022)

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